Die venöse Insuffizienz ist eine Erkrankung des Venensystems, bei der das Blut aus den Beinen nicht ausreichend effektiv zum Herzen zurücktransportiert wird. Ursache können unter anderem nicht richtig schließende Venenklappen, ein venöser Reflux, Abflussbehinderungen oder Veränderungen verschiedener Abschnitte des Venensystems sein.

Mögliche Beschwerden sind Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen, sichtbare Krampfadern, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und in fortgeschrittenen Stadien Hautveränderungen im Bereich der Unterschenkel und Knöchel.

Das äußere Erscheinungsbild der Beine allein reicht nicht aus, um die Ursache der Beschwerden zu bestimmen. Deshalb ist vor einer Therapieplanung häufig eine detaillierte farbkodierte Duplexsonographie der oberflächlichen, tiefen und perforierenden Venen sinnvoll.

Was ist eine venöse Insuffizienz?

Gesunde Venen besitzen Klappen, die den Blutfluss in Richtung Herz unterstützen. Schließen diese Klappen nicht ausreichend, kann ein Teil des Blutes in die entgegengesetzte Richtung zurückfließen. Dieser Rückfluss wird als venöser Reflux bezeichnet.

Ein länger bestehender Reflux kann den Venendruck in den Beinen erhöhen und Beschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen, Krampfadern und Hautveränderungen begünstigen.

Die venöse Insuffizienz kann die oberflächlichen Venen, Perforansvenen oder das tiefe Venensystem betreffen. Daher sollte die Therapie nicht ausschließlich anhand sichtbarer Krampfadern geplant werden.

Welche Symptome kann eine venöse Insuffizienz verursachen?

Die Beschwerden können von Patient zu Patient unterschiedlich sein.

Mögliche Symptome sind:

  • Schwere- oder Spannungsgefühl in den Beinen
  • Schmerzen oder Beschwerden, insbesondere gegen Ende des Tages
  • Schwellungen an Knöcheln oder Unterschenkeln
  • sichtbare Krampfadern
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • Juckreiz
  • Müdigkeitsgefühl in den Beinen

Bei fortgeschrittener chronischer Venenerkrankung können zusätzlich braune Hautverfärbungen, Verhärtungen des Gewebes, ekzemartige Hautveränderungen oder venöse Ulzera auftreten.

Diese Beschwerden sind jedoch nicht ausschließlich für eine venöse Insuffizienz typisch. Auch andere Erkrankungen können Schmerzen oder Schwellungen der Beine verursachen.

Welche Ursachen hat eine venöse Insuffizienz?

Eine venöse Insuffizienz kann durch eine Funktionsstörung der Venenklappen, Veränderungen der Venenwand oder eine Behinderung des venösen Abflusses entstehen.

Ein häufiger Mechanismus ist das unvollständige Schließen der Venenklappen mit anschließendem Rückfluss des Blutes.

Zu möglichen begünstigenden Faktoren gehören:

  • genetische Veranlagung
  • zunehmendes Alter
  • langes Stehen
  • Schwangerschaft
  • Übergewicht
  • vorausgegangene tiefe Venenthrombose
  • bestimmte anatomische Veränderungen des Venensystems

Die Ursache ist nicht bei allen Patienten gleich. Deshalb sollte die venöse Situation individuell beurteilt werden.

Wie wird eine venöse Insuffizienz diagnostiziert?

Die Untersuchung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer klinischen Untersuchung.

Dabei werden unter anderem beurteilt:

  • Verteilung der Krampfadern
  • Schwellungen
  • Hautveränderungen
  • Beschwerden des Patienten
  • klinische Zeichen einer chronischen Venenerkrankung

Eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden ist die farbkodierte Duplexsonographie der Venen.

Damit können unter anderem beurteilt werden:

  • Durchgängigkeit der Venen
  • Richtung des Blutflusses
  • Vorliegen eines venösen Refluxes
  • oberflächliche Venen
  • tiefe Venen
  • Perforansvenen

Diese Informationen sind wichtig, um die Ursache der venösen Insuffizienz zu erkennen und eine geeignete Behandlungsstrategie festzulegen.

Warum ist eine detaillierte farbkodierte Duplexsonographie wichtig?

Die Anzahl sichtbarer Krampfadern entspricht nicht immer dem Ausmaß einer venösen Insuffizienz.

Ein Patient mit nur wenigen sichtbaren Venen kann einen deutlichen Reflux in einer größeren oberflächlichen Vene haben. Umgekehrt bedeutet eine große Anzahl sichtbarer Venen nicht automatisch, dass die wichtigsten Venenstämme schwer betroffen sind.

Eine detaillierte farbkodierte Duplexsonographie hilft deshalb bei der individuellen Therapieplanung.

Ziel der Untersuchung ist es festzustellen:

  • welcher Abschnitt des Venensystems betroffen ist
  • ob ein Reflux vorhanden ist
  • wo die Refluxquelle liegt
  • ob Perforansvenen beteiligt sind
  • wie das tiefe Venensystem aussieht
  • welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen

Den Ausdruck „detaillierte farbkodierte Duplexsonographie“ kannst du mit der deutschen Doppler-Seite intern verlinken.

Wie wird eine venöse Insuffizienz behandelt?

Die Behandlung ist nicht bei jedem Patienten gleich.

Die Therapie richtet sich nach:

  • Beschwerden
  • Klinischen Befunden
  • betroffenem Venensystem
  • Lokalisation und Ausmaß des Refluxes
  • Duplexsonographie-Befunden
  • allgemeinem Gesundheitszustand

Bei manchen Patienten können konservative Maßnahmen und eine Kompressionstherapie ausreichend sein.

Bei geeigneten Patienten mit oberflächlichem venösem Reflux können unter anderem folgende Verfahren infrage kommen:

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Anatomie, der Refluxquelle und der individuellen klinischen Situation.

Sind venöse Insuffizienz und Krampfadern dasselbe?

Nein.

Krampfadern sind erweiterte und häufig geschlängelte oberflächliche Venen, die sichtbar oder tastbar sein können.

Venöse Insuffizienz ist ein weiter gefasster Begriff für eine Störung des venösen Rückstroms, häufig durch Reflux oder in manchen Fällen durch eine Abflussbehinderung.

Eine venöse Insuffizienz kann auch ohne ausgeprägte sichtbare Krampfadern bestehen.

Umgekehrt bedeutet das Vorhandensein sichtbarer Venen nicht automatisch eine schwere Insuffizienz der großen oberflächlichen Venen.

Was passiert, wenn eine venöse Insuffizienz nicht behandelt wird?

Der Verlauf ist individuell unterschiedlich.

Bei manchen Patienten bleiben die Beschwerden lange stabil, bei anderen kann sich die chronische Venenerkrankung weiterentwickeln.

Mögliche fortgeschrittene Veränderungen sind:

  • anhaltende Schwellungen
  • braune Hautverfärbungen
  • Verhärtung von Haut und Unterhaut
  • venöses Ekzem
  • chronische Entzündungsreaktionen
  • venöse Ulzera

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Erkrankung bei jedem Patienten zwangsläufig fortschreitet.

Ob eine Behandlung erforderlich ist, sollte anhand der Beschwerden, der klinischen Befunde und der Duplexsonographie entschieden werden.

Kann eine venöse Insuffizienz ohne sichtbare Krampfadern bestehen?

Ja.

Ein venöser Reflux kann in oberflächlichen, tiefen oder perforierenden Venen vorhanden sein, obwohl äußerlich nur wenige oder keine ausgeprägten Krampfadern sichtbar sind.

Daher lässt sich der Zustand des Venensystems nicht zuverlässig allein anhand des äußeren Erscheinungsbildes beurteilen.

Welcher Arzt behandelt eine venöse Insuffizienz?

Die venöse Insuffizienz gehört zu den Erkrankungen des Venensystems.

Die Diagnostik und Therapieplanung kann durch einen Gefäßchirurgen bzw. Herz- und Gefäßchirurgen mit phlebologischer Erfahrung oder einen Phlebologen erfolgen.

Bei Bedarf wird die Untersuchung durch eine detaillierte farbkodierte Duplexsonographie ergänzt.

Ist eine farbkodierte Duplexsonographie notwendig?

Die farbkodierte Duplexsonographie gehört zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden bei Verdacht auf eine venöse Insuffizienz.

Sie liefert Informationen über:

  • Durchgängigkeit der Venen
  • Blutflussrichtung
  • venösen Reflux
  • betroffene Venensegmente

Diese Informationen sind insbesondere für die Therapieplanung wichtig.

Kann eine venöse Insuffizienz vollständig geheilt werden?

Das hängt von der Ursache und davon ab, welcher Teil des Venensystems betroffen ist.

Bei geeigneten Patienten kann die Behandlung einer oberflächlichen Refluxquelle die venöse Hämodynamik und die Beschwerden deutlich verbessern.

Eine chronische Venenerkrankung kann jedoch langfristig zu neuen Veränderungen an anderen Venen führen. Deshalb wäre es nicht korrekt, bei jedem Patienten eine vollständige und dauerhafte Heilung zu versprechen.

Behandeln Kompressionsstrümpfe die venöse Insuffizienz?

Kompressionsstrümpfe können bei manchen Patienten Beschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen und Schwellungen reduzieren.

Sie beseitigen jedoch eine insuffiziente Vene mit Reflux nicht anatomisch.

Ob Kompression erforderlich ist, welche Kompressionsklasse geeignet ist und wie lange sie getragen werden sollte, muss individuell entschieden werden.